Rossauer Kaserne

Im Zuge der vorgesehenen Adaptierung und geänderten Nutzung des Traktes 7 im AG Rossau waren neben Büros und Archiven auch eine Küche und ein Speisesaal im 1. Obergeschoß vorgesehen. Während der Projektentwicklung stellte sich bald heraus, dass vor allem im Bereich des Speisesaales eine Auflösung der bestehenden Tragstruktur erforderlich machte, um genügend Raum für die Aufstellung entsprechender Tische samt Bestuhlung zu schaffen. Dies stellte natürlich einen massiven Eingriff in das bestehende vertikale und horizontale Tragsystem dar.

Historisch gesehen ist die Rossauer Kaserne als Festungsbau errichtet worden. Massive Außenwände, entsprechende Decken, sowie ein ursprünglich nur entlang der Innenhöfe verlaufender Gang waren Eckpunkte der damaligen Gestaltung. Während in den unteren Geschoßen, dies zum Teil bis ins 1. Obergeschoß, massive Gewölbedecken zum Einsatz kamen, so wurde im den oberen Geschoßen eine Dippelbaumdecke errichtet, welche stabiler und widerstandsfähiger als eine Tramdecke war. Alle Deckenelemente waren in Richtung der Traktachse gespannt und lagerten jeweils auf den massiven Querwänden auf, sodass eine Beschädigung der Außenwand keinen Zusammensturz des Objektes bedingt hätte.

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Offensichtlich hatten einige dieser Holzdecken Schaden genommen bzw. hatte nach dem WK2 die Bedrohung abgenommen und sich die Nutzung verändert, sodaß man im Trakt 7, wie auch in einigen anderen Trakten, die Holzdecken abgebrochen hat und durch Ast-Molin-Decken ersetzt hat. Bereits zu diesem Zeitpukt hat man die Struktur des Traktes 7 geändert und eine sogenannte Mittelganglösung eingeführt. Dies führte zu einer Änderung der Spannrichtung der Decken, welche nun großteils quer zum Trakt erfolgte. Entlang des Ganges hat man neben der historischen mittleren Längswand eine Stützen-Unterzugkonstruktion parallel zum Gang hergestellt. Der historisch innen liegende Gang wurde verschlossen und die ehemaligen Gangwände abgebrochen. Dieses System fand man zu Beginn der Planungsarbeiten im Trakt 7 vor.

Projektdaten

Auftraggeber: BMLVS
Leistungen: Statik und Konstruktion
Planung: 2010 – 2013
Ausführung: 2010 – 2013
Herstellungskosten: ca. EUR 11,0 Mio

Rossauer Kaserne Portal

Die Auflösung der historischen Querwände wie auch der mittleren Längswand stellte nun die Herausforderung an die Statik dar. Mit dem Erscheinen des neuen, sogenannten semiprobabilistischen Sicherheitskonzeptes sind alle Normen europaweit überarbeitet und auf völlig neues Konzept aufgebaut worden. Dabei wurden auch neue Denkansätze und Belastungssituationen in ihrer Wertigkeit anders definiert. So ist neben der Beanspruchung aus Wind, Schnee, Eigengewicht und Nutzlast nunmehr verstärkt auf eine Sicherheit gegen Erdbeben zu legen, zumal Wien in einem seismologisch nicht unspektakulären Bereich liegt. Leider gab es jedoch im Normenwesen keine Bemessungsvorschriften für Altbestandbauten, sondern wurden diese nur für Neubauten ausgelegt. Dies brachte in den Anfängen massive Überdimensionierungen bzw. gar das Nichtermöglichen vor Projekten. Dies führte dazu, dass die Baubehörde in Wien Regulativen zur Handhabung dieser Thematik herausgebracht hat. In dieser sind die sogenannten Kompensationsmaßnahmen erwähnt. Diese Maßnahmen haben neben der vertikalen Lastabtragung auch einen sogenannten originären Aussteifungszustand zu gewährleisten, sodass horizontale Erdbebenlasten abgetragen werden können. Dies führt zwangsweise zu einer Loslösung bisheriger Abfangungsmethoden mittels Stützen und Träger und zur Errichtung biegesteifer Rahmenkonstruktionen aus Stahl oder den Einbau von Stahlbeton Elementen.